Das Geschenk der Zeit

Zeit. Sie ist unsere wertvollste Ressource. Sie ist in einem Wimpernschlag vorüber. Sie überdauert jeden Sturm.

Die Zeit. Der Wegbegleiter, der stets voranschreitet. Der keine Pause macht, keinen Stillstand kennt.

Zeit. Hinterlässt still einen Fußabdruck, mit jedem Schritt. Leicht wie eine Feder, trägt sie uns durch jeden Moment.

Die Zeit lässt sich nicht greifen. Nicht speichern. Keine Sekunde lässt sich einfangen. Keine Stunde für einen späteren Zeitpunkt aufsparen.

Keine Zeit ist gleich. Wir können uns an eine Zeit erinnern, können fühlen, wie es war – nur niemals zweimal dieselbe Zeit erleben.

Die Zeit. In manchen Augenblicken steht sie still. An manchen Tagen will sie nicht vergehen.

Wir stellen uns vor, wie es wäre – in der Zeit, die nie zu kommen scheint.

Der Augenblick, in dem wir leben, ist ewig.
— Friedrich Nietzsche

Wer kennt sie nicht – die Zeit. Und all die Sprüche über die Zeit.

„Das braucht einfach Zeit“, sagte mir meine Mutter, als ich durch eine schmerzhafte Trennung ging.

„Es kommt die richtige Zeit“, sagte mir jemand, als ich jung, ungeduldig und stürmisch war.

„Jetzt ist es Zeit“, sagte ich mir mit 31 – und begann mein Training für den Ärmelkanal.

Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.
— Michael Ende

Wie kann uns die Zeit gestohlen werden, wenn wir sie nicht sparen können?

Die Zeit schert es nicht, dass wir nicht wissen, wie viel Zeit wir haben. Wir müssen nichts dafür tun, um sie zu bekommen. Jeden Tag aufs Neue erhalten wir sie – ohne eine Gegenleistung. Deshalb ist jede Zeit, die wir haben, ein Geschenk. Jeder Moment ist von unschätzbarem Wert. Trotzdem hat sie kein Preisschild.

Keine Uhr dieser Welt kann die Zeit anhalten. Kein Account existiert, auf dem wir sie speichern könnten. Kein Konto ermöglicht es uns, sie zu sparen. Und doch gibt es Diebe, die uns Zeit stehlen können – denen wir uns sogar willentlich hingeben, um ihnen unsere Zeit zu geben.

Zeit verschenken

Auf meinem Rückweg von Lübeck nach Paderborn traf ich eine junge Frau. Wir kamen im Zug ins Gespräch und redeten die ganze Stunde, bis der Zug in Hamburg ankam.

“Das kam mir vor wie zehn Minuten.“, sagte sie lächelnd. “Mit guten Gesprächspartnern, kann die Zeit schonmal davonfliegen.“, antwortete ich. Sonst kann sich eine Stunde Zugfahrt ziehen. Aber in diesem lebendigen Gespräch habe ich gemerkt, wie ich Zeit verschenken kann. Und dabei keine einzige Sekunde verliere, sondern selbst etwas zurückbekomme.

Die Zeit ist stets mit uns

Zeit ist kein messbarer Stoff, obwohl wir sie von einer Uhr ablesen können. Sie ist etwas Innerliches, etwas, das man erlebt und gestaltet.

Es zählt also: In welcher Art wir sie nutzen. Nicht die Effektivität, sondern wie farbenfroh wir sie wahrnehmen. Für welche Aktivitäten wir sie ausgeben. Welche Erfahrungen wir mit ihr machen. Mit welchen Menschen wir sie teilen. Welche Orte wir mit ihr bereisen.

Ich würde sogar sagen, es zählt eines noch mehr: Was wir tun, damit wir mit unserer Zeit einen positiven Einfluss haben. Vielleicht sogar noch, nachdem unsere eigene Zeit abgelaufen ist. Wie wir nicht nur uns selbst eine bessere Zeit bescheren.

Denn das wollen wir doch alle haben: eine verdammt geile Zeit!

Ein neues Jahr, eine neue Zeit

Heute bin ich 32 geworden. Für mein nächstes Lebensjahr möchte ich meine Zeit nicht nur sinnvoll nutzen. Ich möchte sie farbenfroh gestalten und mit allen Sinnen erleben. Deshalb sage ich mir:

Es ist Zeit, das zu tun, was wirklich zählt. Verschwende auch mal deine Zeit. Aber nutze sie für Dinge, die einen echten Impact haben. Dinge, die nicht nur einen Unterschied in deinem Leben machen.

Anstatt zehn Minuten auf Social Media zu doomscrollen, lies zehn Minuten in einem guten Buch.

Anstatt dich eine Stunde gedankenlos berieseln zu lassen, setze dich eine Stunde mit dir selbst auseinander.

Anstatt dich von deinen Gedanken auffressen zu lassen, formuliere und artikuliere sie zu etwas Lebendigem.

Anstatt Angst davor zu haben zu ertrinken, lerne richtig zu schwimmen.

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