9 Jahre bis zum ersten Triathlon

Triathlon war nie meine Identität. Er war eine Inspiration für mich. Neun Jahre blühte diese Inspiration in mir auf. Alles begann mit dem Ironman auf Hawaii. Bis ich dieses Jahr, im Alter von 31 selbst einen Triathlon bestritt.

Mein Lebensinhalt war es nie, ein Triathlet zu werden. Jemand zu sein, der seine komplette Zeit dem Triathlon widmet. Er hat mir trotzdem eine lebensverändernde Einstellung geschenkt. Diese möchte ich hier teilen.

Alex Brämer und der Ironman Hawaii

2016, mit 22 Jahren, hörte ich das erste Mal vom Triathlon. Dem Ironman. Nicht irgendeinem, sondern dem Ironman auf Hawaii. Der Speerspitze des Triathlons. Ich habe nicht davon geträumt, selbst einen zu beschreiten. Ich arbeitete an einem Film. Ein Film über die Vorbereitung des Athleten Alex Brämer auf seine Teilnahme an den World Championships auf Hawaii.

Zu dieser Zeit drehte sich in meiner Freizeit alles um den Paderborner Lokalsport. Diesen auf Social Media über die Sportnews Paderborn in Szene zu setzen. So kamen Alex Brämer, mein Kollege Tobias Moos und ich in Kontakt, um diesen Film zu realisieren.

Eine unmögliche Challenge?

Als Filmemacher war es faszinierend für mich, die Verbindung der Natur und dem Triathlon herzustellen. Das schweißtreibende Training und die unmenschliche Herausforderung in einer Geschichte einzufangen. 

Richtig greifen konnte ich es nicht, dass ich selbst mal einen Triathlon machen würde. Erst 5 Jahre später, dachte ich wirklich darüber nach, selbst einen Triathlon zu beschreiten.

Hybrides Training: Triathlon und Kraft

Bis 2021 war ich kein leidenschaftlicher Ausdauersportler. Was auch mit meinem Asthma zusammenhing. Bodenturnen, Kampfsport, Tricking und Calisthenics waren meine Leidenschaft. Der Gedanke, alle Muskeln, die ich mir erarbeitet hatte, durch das intensive Cardio Training einzubüßen, wirkte irrsinnig. Aussehen wie ein Strich wollte ich nicht. 

Deshalb stand für mich sofort fest, dass ich Kraft- und Triathlontraining koppeln werde.

Der Triathlon Funke

Vor dem Schwimmen hatte ich immense Angst. Ich war noch nie mit einem Rennrad gefahren. Deshalb begann meine Triathlon-Reise mit dem Lauftraining. Wodurch ich mein Asthma in den Griff bekam. Darüber habe ich in diesem Blogbeitrag ausführlich berichtet.

Als ich drin war, widmete ich mich dem Rennrad fahren. Ich hatte selbst keins. Ohne zu wissen, ob diese Sportart mir wirklich in Fleisch und Blut übergeht, wollte ich keins kaufen. Bei der Materialschlacht wollte ich nicht mitmachen. Als Hobbysportler brauche ich das nicht. Mir geht es bis heute darum, was mein Körper und Geist leisten können.

Zum Glück hatte ich einen radfanatischen Nachbarn, der mir sein Rennrad borgte. Die erste Ausfahrt: eine Verwüstung für meine Beine. 

40 Kilometer auf dem Rennrad fahren? Wie sollte ich das schaffen? Nach der Hälfte wollte ich schon aufgeben.

Das Rennrad Gefühl

Von da an fuhr ich für einen Monat jeden Morgen eine 20 Kilometer Strecke durch die Senne. Ich gewöhnte mich an den harten Sattel und die Geschwindigkeit. Meine Angst vorm Sturz wich der Faszination der Schwerelosigkeit. 

Das Gefühl, wie ein Jet über die Straße zu gleiten, stellte sich ein. Das war der erste kleine Erfolg.

Der Triathlon verschwand

Mein Krafttraining ging währenddessen weiter. Erst eine Stunde im Gym Gewichte heben und danach aufs Rad. Nachmittags zum Calisthenics Park und abends Lauftraining. Diese Kombination war beflügelnd und machte richtig Bock. Klar, ging ich viel zu leichtsinnig mit dem Load und der Steigerung um.

Deshalb verletzte ich mich beim Laufen, stellte mein Triathlon-Ziel hinten an und gab meinem Nachbarn sein Rennrad wieder. Triathlon ohne Laufen geht eben nicht. Zum Schwimmen bin ich bis dahin noch gar nicht gekommen.

Es war überwältigend, wie viel Volumen ich für den Triathlon geopfert und immer noch nicht alles untergebracht hatte.

Die Früchte des Trainings

Triathlon hat mir bis dahin gezeigt, wie ich mich meinen Ängsten stellen und meinen Schweinehund besiegen kann. Dass es mehr wert ist, einen kleinen Fortschritt zu machen als sich für die Sportart aufzuopfern. Das Gelernte auch im Alltag anzuwenden. In dieser Zeit erinnerte ich mich daran was Alex Brämer 2016 sagte:

Im Sport wie im wahren Leben. Du lernst da so viele Lektionen, die auch auf andere Bereiche angewendet werden können.
— Alex Brämer

Mein eigenes Bike und Morbus Crohn

2021 verschwand der Triathlon so schnell er kam. Bis ich 2024 endlich mein erstes, eigenes Gravelbike kaufte. Damit war ich noch nicht so weit, wieder voll ins Training einzusteigen. Jedoch kam der Mut wieder. Daran zu glauben, dass ich einen Triathlon schaffen kann. Ich kaufte mir sogar Klicks, stürzte einige Male und genoss diese neue Freiheit in vollen Zügen.

Dann gab es eine weitere Hürde. Mir wurde Morbus Crohn diagnostiziert. Im Winter hatte ich meinen ersten wirklich schlimmen Schub. Trotzdem schaffte ich es, damit umzugehen und neue Kraft zu schöpfen.

Das Triathlon-Feuer brannte

Juli 2025 war es soweit. Ich nahm das Schwimmtraining auf. Schaffte es endlich alle drei Sportarten plus Krafttraining unterzubringen.

Pro Woche: 100 Kilometer Radfahren, 20 Kilometer Laufen, 2 Stunden Schwimmen, 2 Stunden Krafttraining. On top noch zum Yoga. Parallel ging ich zum Kältebaden in die Pader. Das haute rein.

Schwimmen war absolut nicht meins

Mit einer absurden Art, strampelnd und untergehend, Kopf über Wasser Brustschwimmen. 25 Meter gerade so überleben. Der Versuch zu kraulen kassierte mir eine Ohrenentzündung. Einen ganzen Monat wartete ich auf Ohrstöpsel vom Akustiker — das Problem war gelöst. Langsam fiel mir das Schwimmen leichter. Dann schwamm ich das erste und einzige Mal im Training 500 Meter am Stück, im Lippesee.

Mehr als nur der Ironman

Die schweißtreibende Schufterei im Training. Das war wie eine Sucht und rief meine Knieschmerzen wieder auf den Plan. Andere Triathleten halfen mir dabei das Training richtig zu dosieren, erreichbare Ziele zu stecken und die Schönheit der kurzen Triathlondistanzen zu schätzen.

“You are an Ironman.”, ist eben nicht das Wichtigste beim Triathlon.

Wenn man sich von diesem Dogma löst, kann man lernen, dass die Sprint- und Olympische Distanz einen ebenso hohen Stellenwert haben. Grundlage vieler Meisterschaften sind. Es um mehr geht, als der Härteste zu sein oder einen coolen Instagram Post zu haben.

Die Triathlon Community

Andere Triathleten kennenzulernen war wichtig für mich. Ich traf sie überall: im Zug, beim Eis essen, in der Sauna. Zu lernen, wie sie sich vom Triathlon durchs Leben tragen lassen. Auch die großen Hindernisse im Leben mit Mut anzugehen. Mehr darin zu sehen als nur eine sportliche Herausforderung. Das hat mir geholfen, trotz Morbus Crohn den Triathlon durchzuziehen. Das Positive darin zu sehen.

Der geplatzte Wettkampf

Deshalb schraubte ich meine Erwartungen runter und meldete mich für den Twistesee Volkstriathlon im September an. Auch da kam wieder etwas dazwischen. Sehr kurz vor dem Event wurde bekannt gegeben, dass es eine Neoprenpflicht geben könnte, weil die Außentemperaturen zu niedrig sein könnten. 

Da waren mir zu viele “könnte” dabei. Den Triathlon wollte ich in jeden Fall ohne Neo schwimmen.

Der Lippesee Triathlon

Am Abend vorm Twistesee Triathlon schmiedete ich einen Plan. Den Volkstriathlon einfach ohne offizielles Event durchzuziehen. Einer meiner besten Kumpels machte mit. Der Lippesee Triathlon war geboren.

Am nächsten Morgen ging es um sieben Uhr los.

Wir schwammen 500 Meter. Fuhren 24 Kilometer und rannten nochmal sechs Kilometer. Alles um den Lippesee. Die Spaziergänger feuerten uns mehr und mehr an. Einer mit Regenschirm zeigte uns jedes mal die Rundenanzahl. An die vierte Runde um den See erinnere ich mich lebhaft. “Da sind die ja schon wieder.“, sagte einer erstaunt und leicht ungläubig zu seiner Frau.

Im Halbdunkel ging es los. Und zwei Stunden später, als wir finishten, kitzelte die warme Sonne unsere Gesichter. Den Triathlon mit meinem Kumpel durchzuziehen, war einfach nur genial! Was ein Glück.

Ein einziges Mal — und nie wieder?

Wie schwer es mir anfangs viel, daran erinnere ich mich noch genau. Am Ende war es deutlich leichter, als ich es mir ausmalen konnte.

Das verblüfft mich immer wieder — wie viel die mentale Komponente im Ausdauersport ausmacht. Das hatte ich 2016 schon von Alex Brämer gelernt. Es selbst umzusetzen, es zu verinnerlichen veränderte etwas in mir. Trotzdem weiß ich was ich meinen Knien und meiner Hüfte mit dem Laufen antue. Deshalb will ich es nicht übertreiben. Gleichzeitig bin ich stets bereit für einen weiteren Volkstriathlon.

Was nach 9 Jahren übrig bleibt

Ich realisierte durch den Lippesee Triathlon, worum es mir bei meiner Triathlon Challenge eigentlich ging:

Mich mir selbst zu stellen.

Daraus ergaben sich noch weitere Erkenntnisse:

Dass ich mich dem kalten Wasser ohne Neo nicht nur wegen des Triathlons stellen wollte. Dass ich mich dem Schwimmen und der Natur, in der man sich beim Sport bewegt, mit mehr Hingabe widmen möchte. Dass ich anfing über den Ärmelkanal nachzudenken.

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Das Geschenk der Zeit